VERGESSEN ... der erste Fall von Anne von Feldhaus und Jacob Fuller

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Randfiguren:

Apple – 29 Jahre alt, Schweizer, lebt in Zürich, IT-Spezialist und ehemaliger Hacker, wurde in New York deshalb zu 10 Jahren Haft verurteilt,

von Fuller noch während seiner Zeit beim FBI angeheuert, dafür Straferlass und Ausreise in die Schweiz. Erledigt für Fuller und das FBI nicht

immer ganz legale Recherchen.

George Withborn – 51 Jahre, Afroamerikaner, FBI, Leiter Internationale Kriminalität, war Vorgesetzter von Fuller beim FBI.

Julia Borgmann – 45 Jahre, seit über 20 Jahren in einer psychiatrischen Klinik, sie spricht seitdem nichts und mit niemandem.

Professor Meinhart – Anfang 60, stellvertretender Leiter des BKH-München/Haar, behandelnder Arzt von Julia Borgmann.

Lisa Deutinger – 23 Jahre, sehr hübsch, blonder langer Pferdeschwanz, studiert Sinologie und IT in München und China. 

 

 

Blick ins Buch (Leseprobe)

 

Prolog

München - Ende Juni 2012 

       »Guten Morgen, Dr. Junginger. Heute hätte ich gerne mal einen doppelten Espresso, und wenn es möglich wäre, vielleicht auch ein Croissant dazu.«

»Gu… Guten Morgen, Julia«, erwiderte Dr. Junginger stockend. Es hatte ihm förmlich die Sprache verschlagen.

»Se … selbstverständlich, sehr gerne«, stammelte er. Ohne weiter darauf einzugehen, drehte er sich wie in Trance um und verließ Julias Zimmer. Fast schon fluchtartig rannte er den Gang hinunter zu Professor Meinharts Büro, das sich am anderen Ende des Flures befand. Ohne auch nur den Versuch zu machen anzuklopfen, stürmte er hinein.

»Dr. Junginger, heute haben Sie es aber eilig«, stellte der Professor überrascht fest. Dr. Junginger atmete mehrmals tief durch. Auf seiner Stirn hatten sich kleine, feine Schweißperlen gebildet und er war kreidebleich im Gesicht, sein Kreislauf schien ziemlich durcheinandergeraten zu sein.

»Sie spricht! Sie spricht! Sie hat mit mir gesprochen! Sie wollte einen doppelten Espresso und auch ein Croissant. Seit 23 Jahren, seit 23 Jahren, Professor!«                             

»Nun mal langsam, Junginger, beruhigen Sie sich. Wer will einen Espresso und ein Croissant?«, fragte Professor Meinhart etwas verwirrt nach.

»Julia. Julia hat gesprochen! Sie will einen Espresso. Können Sie sich das vorstellen?«

»Na, wenn sie einen Espresso will, dann sollten wir ihr halt auch einen bringen, Junginger«, entgegnete der Professor mit der ihm eigenen bayrischen Bierruhe.

Dr. Junginger war seit vielen Jahren leitender Stationsarzt in seiner Abteilung, sein Stellvertreter und ein ausgesprochen fähiger und engagierter Psychiater und Neurologe. Prof. Meinhart selbst war stellvertretender Ärztlicher Leiter des Bezirkskrankenhauses Haar.

Das BKH Haar war deutschlandweit eines der größten Fachkrankenhäuser für Psychiatrie, Psychotherapie, psychosomatische Medizin und Neurologie. Mit über 2.200 Mitarbeitern, annähernd 1.200 Betten und 90 teilstationären Plätzen leistete das Bezirkskrankenhaus Haar die psychiatrische Vollversorgung für die Stadt München und die umliegenden Landkreise.

»Kommen Sie, Junginger. Eigentlich sollten Sie sich darüber freuen, aber Sie sehen aus, als ob Ihnen der Leibhaftige persönlich begegnet wäre«, sagte Professor Meinhart. Er legte seinen Arm um die Schulter seines Kollegen, während sie gemeinsam den Gang zurückgingen zu Julias Zimmer.

»Aber warum spricht sie? Warum gerade jetzt, nach so langer Zeit? Sie wissen, Herr Professor, dass ich seit Jahren …«

»Ich weiß, ich weiß, Junginger.«

Julias Zimmer lag am Ende des Flures der Station 1.30, im ersten Stock des Bezirkskrankenhauses. Auf der Station 1.30 waren überwiegend Langzeitpatienten mit schweren psychischen Störungen untergebracht. Die meisten von ihnen waren bereits seit vielen Jahren hier, manche, wie Julia, bereits seit mehr als 20 Jahren. Die “Untoten“, wie sie dort im internen Jargon genannt wurden. Kurz bevor sie Julias Zimmer erreichten, packte Prof. Meinhart Schwester Tatjana, die gerade neben der Medikamentenausgabe stand, am Arm und nahm sie mit zu Julias Zimmer.

»Unsere Julia scheint zu sprechen, Schwester Tatjana. Das ist ja wie Weihnachten und Neujahr an einem Tag«, meinte der Professor mit einem leichten Grinsen in seinem Gesicht. Schwester Tatjana war die Oberschwester auf der Station und bereits seit über 30 Jahren im Bezirkskrankenhaus Haar tätig. Sie war mittlerweile sozusagen die Mutter der Kompanie, wie der Professor sie immer scherzhaft nannte. Schwester Tatjana blickte Professor Meinhart etwas verstört an, als sie Julias Zimmer betraten.

»Hallo Julia. Guten Morgen, wie geht es Ihnen denn heute? Ich habe gehört, Sie wollen einen Espresso«, begrüßte sie Professor Meinhart. Julia stand am Fenster ihres Zimmers und blickte starr in den davorliegenden parkähnlichen Garten des BKH Haar.

»Wenn es möglich wäre, Herr Professor«, antwortete Julia und drehte sich um. In ihren Augen spie­gelte sich eine ungewohnte Lebensfreude, ja sie schienen fast zu strahlen. So mussten rundum glückliche Menschen aussehen.

»Selbstverständlich«, entgegnete der Professor. Er drehte sich kurz zu Dr. Junginger und zeigte mit dem Kopf Richtung Türe. Dr. Junginger verstand das Zeichen, verließ das Zimmer und machte sich daran, einen Espresso zu organisieren.

»Schauen Sie, Herr Professor«, sagte Julia, und da war es wieder, dieses Lächeln auf ihrem Gesicht. Es war ein Lächeln, ein seltsames Lächeln, wie es der Professor bei Julia noch nie gesehen hatte. Es wirkte fast schon unheimlich auf ihn. Julia war seit über 20 Jahren hier und er betreute sie bereits fast schon genauso lange. Sie hatte während all dieser Zeit nie  richtig gesprochen. Zumindest keine wirklich zusammenhängenden und sinnvollen Sätze, seitdem sie hier eingeliefert wurde. Sie sah Professor Meinhart sowie die anderen Ärzte und Pfleger immer nur nahezu regungslos an. Ein Blick, der leer, völlig emotionslos und doch voller Geheimnisse schien. Eigentlich war sie eine Patientin wie aus dem Lehrbuch, wenn man mal von den seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten andauernden und völlig ergebnislosen Therapieversuchen absah. Sie reagierte so gut wie auf nichts, egal was Professor Meinhart und sein Team auch sagten oder versuchten. Sie konnte sich völlig frei auf dem Gelände des BKH Haar bewegen. Man wusste, dass sie es ohnehin nicht freiwillig verlassen würde. Mehrmals hatte der Professor versucht, Julia dazu zu bewegen, das Krankenhausgelände ein Mal zu verlassen. Was hatte er nicht alles versucht und ihr angeboten, ins Kino, in Ausstellungen, in die Stadt auf einen Kaffee, essen zu gehen und was alles sonst noch. Alles jedoch ohne Erfolg. Julia ging immer nur mit bis zum Haupteingang des Geländes des BKH Haar. Sobald sie das Areal verlassen sollte, blieb sie einfach stehen und weigerte sich, auch nur einen einzigen Schritt weiterzugehen. Natürlich zwang sie niemand, das Gelände des Krankenhauses zu verlas­sen. Anscheinend schien sie sich nur innerhalb des Krankenhauses sicher zu fühlen und eine panische Angst zu haben, rauszugehen. Raus in eine Welt, die nicht mehr die ihre war. Ein einziges Mal nur, vor circa zehn Jahren, gab es einen erwähnenswerten Zwischenfall, den man sich allerdings bis heute nicht erklären konnte. Es war ein neuer junger Pfleger auf die Station für Langzeitpatienten gekommen. Als ihn Julia das erste Mal sah, kam es zu einem mehr als seltsamen Zwischenfall im Speisesaal. Julia stand damals plötzlich langsam von ihrem Tisch auf, nahm eine Gabel in die Hand und ging völlig regungslos auf den Pfleger zu, der gerade dabei war, den Nachbartisch einzudecken. Sie holte aus und rammte dem Pfleger die Gabel mit einer solchen Wucht in die rechte Schulter, dass dieser das Gleichgewicht ver­lor und zu Boden fiel. Nur der schnellen Reaktion von Dr. Junginger war es damals zu verdanken, dass nicht noch mehr passierte. Als Julia erneut ausholte, um dem am Boden liegenden Pfleger die Gabel mit aller Kraft ins Gesicht zu stoßen, konnte Dr. Junginger ihren Arm gerade noch recht­zeitig packen und Schlimmeres verhindern. Julia wurde daraufhin zurück in ihr Zimmer gebracht und erst einmal medikamentös ruhiggestellt. Das erste Mal seit vielen,  vielen Jahren, dass man ihr überhaupt wieder Medikamente geben musste. So recht erklären konnte sich diesen Zwischenfall niemand. Julia reagierte, wie gewohnt, auf keine der Fragen. Der Pfleger konnte sich das Ganze auch nicht erklären. Professor Meinhart hatte daraufhin die Idee, den neuen Pfleger in die weitere Therapie von Julia mit einzubinden. Er wusste zwar noch nicht genau, wie und ob es etwas bringen würde, aber immerhin war der Pfleger seit über zehn Jahren der Einzige, der bei Julia überhaupt irgendeine Reaktion ausgelöst hatte. Auch wenn es sich dabei um eine nicht wirklich wünschenswerte Reaktion gehandelt hatte. Der Professor aber war aufgrund all der bisher völlig ergebnislosen Therapieversuche mittlerweile bereit, nach jedem Strohhalm zu greifen. Auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, nagte die Tatsache, dass er so gar nicht weiterkam mit dieser Patientin, nicht einen Schritt, langsam aber stetig an seinem Therapeuten-Ego. Aber besser eine schlechte Reaktion als gar keine, dachte er sich. Aus der Idee wurde dann aber nichts. Der Pfleger war durch diesen Vorfall so geschockt, dass er sich am nächsten Tag krankmeldete und noch während seines Krankenstands kündigte. Professor Meinhart redete noch mit Engelszungen auf ihn ein, doch ohne Erfolg.

»Schauen Sie, Herr Professor«, wiederholte Julia, ging auf ihn zu, bis sie knapp 20 Zentimeter vor ihm stand, und blickte zu ihm auf. Der Professor war mit seinen 1,95 Metern eine mehr als stattliche Erscheinung. Julia wirkte, als sie so vor ihm stand und zu ihm hoch blickte, wie ein kleines, unschuldiges Schulmädchen.

»Ich habe Post bekommen«, sagte Julia und reichte dem Professor ein Blatt Papier. Er nahm das Blatt und blickte zu Schwester Tatjana. Der Brief war vor ungefähr einer halben Stunde gekommen. Ein Taxifahrer hatte ihn unten am Empfang abgegeben, klärte Schwester Tatjana den Professor auf. Der Brief hatte sich in einem Kuvert befunden, aber ohne Absender. Professor Meinhart griff nach dem Blatt und zog seine Lesebrille aus der Brusttasche seines Kittels. Es war ein schlichtes, weißes Blatt Papier und es stand nur ein einziger handschriftlich geschriebener Satz darauf ...................................................

 

Protagonisten:

Anne von Feldhaus – 36 Jahre alt, 1,75 m, schlank und sportlich, Kurzhaarfrisur, ledig, Abitur, Polizeihochschule, Polizeidienst in Hamburg, 2 Jahre bei Interpol in Lyon, dann jüngste stellvertretende Leiterin der Mordkommission in München, engagiert und ehrgeizig.

Jacob Fuller – 46 Jahre alt, 1,82 m, sportliche Erscheinung, kurze braune angegraute Haare, geboren in New York, Deutschamerikaner mit doppelter Staatsbürgerschaft, Vater Amerikaner, Mutter Deutsche, aufgewachsen in New York, Studium Kriminologie und einige Semester Psychologie in München und New York. Dann beim FBI als Ermittler Internationale Kriminalität, nach dem Tod seiner Eltern vor 6 Jahren wieder in Deutschland beim BKA, hoch professioneller Profiler mit etwas eigenwilligen Ermittlungsmethoden und sehr individueller Auffassung

von Gerechtigkeit.

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